DKMS - Meine Spende

Erfahrungsbericht Stammzellenspende
Meine Spende

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Hinweis!

Ich bitte beim lesen meines Berichtes hier zu beachten, dass ich "im normalen Leben" Webentwickler bin, kein Autor oder gar Experte der deutschen Rechtschreibung. Ebenso bin ich kein Experte in Sachen Stammzellen, ich war lediglich Patient und berichte hier über meine subjektiven Erlebnisse. Der Bericht ist zudem bereits ein Paar Jahre her und wurde von mir nur schnell zusammengeschrieben.

Teil 1: Die Vorgeschichte

Vor etwa zwei Jahren habe ich mich bei der DKMS der Deutschen Knochenmarkspenderdatei
angemeldet. Das ging im Grunde sehr einfach, ich habe mir online ein hübsches Registrierungsset bestellt welches kurz darauf in der Post war. Die Anleitung war ebenfalls einfach, enthaltenes Wattestäbchen im Mund rumreiben und eintüten. Gesagt getan. Als Antwort bekam ich eine hübsche Spendercard der DKMS mit meinem Namen drauf (Die ich mittlerweile übrigens verloren habe) und ein rotes Puzzle Teil, dem Logo der DKMS; zum anpinnen irgendwo.



"Wir danken ihne für ihre Registrierung. Ihr Befund wurde ermittelt und steht nun für die weltweite Spendersuche zur Verfügung. Falls sie als Spender in Frage kommen wird sich unser Team mit ihnen in Verbindung setzen."

Lange hörte man nichts von der DKMS wie es in den meisten Fällen ja auch nunmal ist.
Doch irgendwann kam ein netter Anruf, ich könnte eventuell für einen Patienten als Spender in Frage kommen. Man bat mich zur Blutabnahme zwecks Bestätigungstypisierung in die Praxis meines Hausarztes. Ebenso gab man mir einen Fragebogen der medizinische aber meines Erachtens auch unnotwendige Fragen stellte.

Liebe DKMS, was interessiert euch meine sexuelle Orientierung? Scheinbar werden homosexuelle Menschen nicht als Spender zugelassen da Zitat: "Ihr Risiko höher ist an HIV ... zu erkranken". Ernsthaft? Wir leben im 21. Jahrhundert. Stellt euch nicht so an!
* Nachträgliche Korrektur vom 18.12.2014: Mittlerweile hat die DKMS ihre Standards entsprechend angepasst und Homosexuelle zählen nicht länger als Risikogruppe.

Die DKMS sandte mir auch ein Päckchen mit einigen medizinischen Röhrchen für die Blutabnahme und Blutabnahmezubehör zu. Ich mag es gar nicht wenn andere Menschen mir Nadeln in meinen Körper stecken. Aber ich wartete bis zum Termin und ging in die Praxis. Dort angekommen hatte ich keine Wartezeit und wurde ohne Umschweife direkt drangenommen. Bei der Blutabnahme werden auch keine Daten erhoben, nicht mal seine Versichertenkarte braucht man da alles über die DKMS abläuft. Ich weiß nicht mehr ganz genau wie viele kleine Röhrchen es waren, ich tippe mal auf sechs.
Ich hatte an dem Tag nichts gefrühstückt und auch noch nichts getrunken, ich war mir nämlich nicht sicher ob ich nüchtern kommen sollte. Das erwies sich als Fehler denn da Wasser trinken erlaubt gewesen wäre hätte ich denn nüchtern kommen müssen trinke ich so gut wie nie "pures" Wasser. Aus diesem Grund wurde mir beim fünften Röhrchen etwas schwummerig und wir mussten erstmal eina Pause einlegen damit ich Hungerhaken denen dort nicht wegkippe. Fünf Minuten und ein Getränk später war ich wieder topfit und wollte weitermachen aber der Arzt meinte das Blut müsste schon reichen. Ich bin also wieder nach Hause und wartete auf die Ergebnisse der Blutuntersuchung, ob ich wohl wirklich für jemanden in Frage kommen würde?

Lange Zeit hörte man nichts von der DKMS bis auf eine Email zu Weihnachten mit etwas Werbung.

Am 27. Dezember erhielt ich eine Email "Ergebnisbrief ihrer Typisierung". Ich fasse die Mail mal kurz zusammen:

"Sehr geehrter Herr Grahl,

vielen Dank für die Blutspende zur Typisierung.
Ergebnis ist nun da und zeigt, dass sie als möglicher Stammzellenspender für einen Patienten tatsächlich in Frage kommen könnten. Der Gesundheitszustand eines Blutkrebspatienten kann sich schnell ändern weshalb es schwer ist einen Transplantationstermin festzulegen. Daher bitten die behandelnden Ärzte das wir sie einige Zeit reservieren. das bedeutet dass sie während dieser zeit nicht im internationalen Suchlauf sind.

Wir halten sie auf dem laufenden."

Lange Zeit hörte man wieder nichts von der DKMS.

Dann am 26. April hatte ich zuerst zwei verpasste Anrufe, gefolgt von einer neuen Email von Cellex, einer Partnerorganisation von der DKMS, Cellex führt die Spende an sich durch.
Verkürzt:

"Sehr geehrter Herr Grahl,

ihre Ergebnisse liegen vor und zeigen, dass die Gewebemerkmale mit denen des Patienten übereinstimmen und sie der geeignete Spender wären. Darf ich sie deshalb bitten mich anzurufen, damit wir das weitere Vorgehen absprechen könne?"

So.. nun wurd´s also ernst, ich bin der passende Spender für einen Blutkrebspatienten, ich werde zu Superman und rette ihm vielleicht das Leben. Tolles Gefühl. Ich hab gleich von der Arbeit aus angerufen und mit der (sehr) netten und unterhaltsamen Susanne telefoniert welche mich über die Stammzellenspende aufklärte, mir meine Fragen beantwortete und alles managte. Bei mir wird es die periphere Stammzellenspende, vereinfacht ausgedrückt kriegeich links am Handgelenk eine Nadel rein und rechts auch eine. Das Blut kommt auf der einen Seite raus, die entsprechenden Zellen werden in einer Maschine herausgefiltert und alles andere läuft auf der anderen Seite wieder in mich hinein. Tut nicht weh, dauert nur um die vier Stunden. Damit die Stammzellen um die es geht auch in meinem Blut zu finden sind muss ich mir circa eine Woche vor Entnahme anfangen Wachstumshormone unter die Haut zu spritzen. Diese dienen dazu, dass die Stammzellen die sich sonst nur in minimaler Menge im Blut befinden sich lösen und ins Blut geschwemmt werden. Man warnte mich vor grippeähnlichen Symtomen verursacht durch die Spritzen. Zwei mal täglich eine sollte es sein. Gut dachte ich mir, ein paar harmlose Spritzen und vier Stunden auf einem Stuhl sitzen und Musik hören und damit jemanden eine neue Chance geben zu leben. Klingt doch easy? Wo wir schon mal am telefonieren waren (erwähnte ich bereits wie nett Sie war?) machten wir auch gleich einen Termin aus. Die letzte Voruntersuchung findet am 21.05.2013 in Köln statt und die Spende dann am 13. und 14.06.2013.

Die DKMS übernimmt alle mir entstehenden Kosten für Bahnfahrt mit ICE, Hotelkosten und Verpflegung.
Sogar eine Begleitperson dürfte umsonst mitfahren und übernachten.
Um die Kosten der DKMS niedrig zu halten habe ich natürlich keine Begleitperson angegeben, die kann das auch selber zahlen :)

Schon am nächsten Tag hatte ich auch schon Post im Briefkasten, meine Bahntickets, Hotelreservierung und einen Zettel mit Anleitung für die Kostenabrechnung. Auch ein Brief an den Arbeitgeber war dabei, denn auch den eventuellen Verdienstausfall zahlt die DKMS, auch vollberufstätige die auf ihren Beruf angewiesen sind brauchen keine Scheu haben sich bei der DKMS zu registrieren!

Nun warte ich auf meine letzte Voruntersuchung in Köln und werde diesen Post natürlich sofort updaten wenn es etwas neues gibt!

In der Zwischenzeit kann ich jedem wirklich nur empfehlen sich ebenfalls bei der DKMS kostenlos und mit geringster Mühe zu registrieren. Einfach Testset bestellen, Stäbchen in den Mund, zurückschicken und das war´s!

Die Frau Quadratmeter hat (hatte?) eine schöne Aktion für die DKMS laufen, einen Aufruf zur Registrierung mit einigen schönen Infos über alles, die ich hier bewusst nicht sehr ausführlich beschrieben habe.
Schaut doch mal dort vorbei.

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Koeln - DKMS - Meine Spende

Teil 2: Die Voruntersuchung

Der Tag meiner Voruntersuchung rückte immer näher und bald schon war es soweit, ich packte ein paar Sachen in meinen Koffer, hing mir meine Kamera um und machte mich auf den Weg nach Köln. Die DKMS zahlt alle Kosten die mir während dieser Reise entstehen, die Tickets für die Fahrt mit dem ICE wurden ganz praktisch am Automaten hinterlegt, so musste ich nur noch meine Nummer im DB-Automaten eingeben und schon hatte ich mein Ticket. Von Hannover nach Köln ist es eine etwa 3 1/2 stündige Zugfahrt, die aber dank guter Musik und einer wundervollen Twitter Timeline schnell vergingen und sehr angenehm war. Gegen 19h war ich dann auch in Köln, und rauchte erstmal eine nach der langen Fahrt. In Köln steht direkt (wirklich keine 50 Meter) vom Hauptbahnhof entfernt der Dom, den ich kurz kritisch beäugte, für uninteressant befand und mir in der DB App schnell meine Verbindung zum Hotel im Mediapark raussuchte. Vom Hauptbahnhof nur eine Station und einen kurzen Fußmarsch entfernt. Im Hotel angekommen nannte ich an der Rezeption nur meinen Namen, füllte ein sehr kurzes Formular aus und nahm den Fahrstuhl in mein Zimmer. Das Zimmer war sehr geräumig mit Doppelbett, Schreibtisch und Fernseher, einem Bad mit Badewanne und einem großen Kleiderschrank im Flur.
Hotel - DKMS - Meine Spende Der Tag war noch jung und ich wollte noch etwas von Köln sehen und schlich so bis etwa um 23h noch durch die Stadt und entdeckte dabei einem ganz tollen Straßenmusiker, Rasmus Schumacher. Dem habe ich dann auch erstmal fast eine Stunde lang gelauscht bevor ich dann als meine Speicherkarte in der Kamera voll war wieder ins Hotel ging. Leider konnte ich total schlecht schlafen und war noch ziemlich lange wach so dass ich am nächsten Morgen etwas zu spät zu meinem Termin für die Voruntersuchung kam. Ich habe mich erstmal tausend Mal entschuldigt, aber scheinbar war das völlig egal, man hatte nicht mal bemerkt dass ich noch nicht da war. Puh.. Glück gehabt. Und los ging die Voruntersuchung. Ersteinmal gab man mir einen Fragebogen mit ganz allgemeinen medizinischen Fragen, alles zum ankreuzen, der war schnell erledigt. Dann noch eine Unterschrift zum Datenschutz und einen etwa dreiseitigen Text zum gesamten Verfahren den man sich durchlesen sollte zur Vorbereitung auf das Arztgespräch später am Tage.
Formular Stammzellenspende - DKMS - Meine Spende
Die Räume in denen ich meinen Termin hatte lagen praktischerweise nur ein paar Meter vom Hotel entfernt und mir wurden Getränke und Snacks kostenlos angeboten. Ich war auch nicht alleine da, vier oder fünf weitere Stammzellspender machten die gleiche Prozedur durch wie ich. Nach Ausfüllen des Fragebogens folgte ein (sehr in die Länge gezogener und langweiliger) Film der noch einmal alles veranschaulichte und auch zeigte wie man sich selbst Spritzen injiziert. Nach dem Film der insgesamt vielleicht 20 Minuten dauerte wurde mir seperat in einem Zimmer von einer netten Schwester Blut abgenommen. Das war eigentlich der Teil den ich am wenigsten mochte, ich bin da etwas sensibel was Nadeln in meinem Körper angeht. Aber was tut man nich alles. Nun schnell noch mal Blutdruck und Puls messen, ein EKG schrieben und eine Urinprobe abgeben, schon war auch diese Station abgehakt. Falls euch EKG kein Begriff sein sollte, es tut nicht weh, man kriegt kleine Klebepads auf die Brust geklebt, an die Handgelenke und an die Fußknöchel je eine Manschette und dann muss man einfach ein paar Sekunden ruhig daliegen damit das Gerät die elektrischen Aktivitäten des Herzens aufzeichenn kann. Nach all dem wurde mir mein Spritzplan und das dazugehörige Medikament ausgeteilt. Man muss sich ab eine Woche vor der Entnahme täglich jeweils morgens und abends eine Spritze in den Bauch jagen mit einem Medikament namens "G-CFS" dieses hat den einfachen Zweck die Stammzellen die sich hauptsächlich im Becken befinden zu "lösen" und in das Blut zu schwemmen um sie dann von dort entnehmen zu können. Nach einer kurzen Raucherpause hatte ich dann noch ein sehr nettes Gespräch mit einer jungen Ärztin, die mir meine noch offenen Frage beantwortete und mir noch die ein oder andere stellte. Als letztes hat die Ärztin noch ein Ultraschall gemacht um zu sehen ob ich schwanger bi.. Äh, nee, um zu sehen ob meine Organe da sind wo sie seien sollen, alles okay ist und am wichtigsten wie groß meine Milz ist. Diese kann nämlich in der Zeit in welcher man das Medikament nimmt größer werden was normalerweise kein Problem ist es sei denn sie war vorher schon größer als normal. Meine war total in Ordnung und so war die Voruntersuchung auch schon beendet.
Einvesrtändniserklärung - DKMS - Meine Spende
Ich sah mir noch ein paar Stunden die Stadt an, traf mich mit der wundervollen @LaertesArt auf was zu trinken und eine anschließende Bratwurst und dann fuhr ich auch schon wieder nach Hause.

Ein paar Tage später flatterte mir der Brief ins Haus mit dem finalen Okay.
Ich darf spenden, alle Werte waren okay und alles passt.

Am 9. Juni muss ich anfangen mir das Medikament zwei Mal täglich zu spritzen, ich werde falls es neues gibt hier oder auf Twitter davon berichten. Und dann am 13. Juni, 2013 geht es wieder nach Köln, diesmal zusammen mit einem guten Freund zur Unterstützung. Die eigentliche Spende ist dann vormittags am 14. Juni, 2013, da werde ich garantiert live berichten wie es so abläuft (und wie oft ich wohl umkippe :D) auf meinem alten Twitter Account @LeKefi da spamme ich dann meine normalen Follower nicht mit sowas zu.


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Teil 3: Der Tag der ersten Spritze

Spritze Granocyte 1 - DKMS - Meine Spende

Gerade habe ich den Tag der ersten Spritze hinter mir. Warum überhaupt Spritzen? Die Stammzellen um die es ja geht befinden sich in der Regel nicht bzw in nur sehr geringer Anzahl im Blut. Um nun genug Stammzellen in mein Blut zu kriegen für die Spende muss ich mir zweimal täglich, jeweils morgens und abends eine Spritze mit einem Medikament namens "Granocyte" in den Bauch pieksen. Bei der Voruntersuchung wird einem auch genaustens erklärt wie das genau geht und was man alles zu beachten hat, im Endeffekt ist es auch wirklich einfach. Spritzen setzten kann ich eigentlich sowieso, da war ja mal was mit Rettungsassistent in meinem Lebenslauf. Ich machte mir also von Vornerein keinen Kopf darüber ob ich es wohl gebacken kriege mir täglich die zwei winzigen Spritzen in den Bauch zu pieksen. Nun ja, sagen wir mal so, ich irrte mich. Irgendwann morgends, ich war gerade erst aus dem Bett fand ich meinen Weg in die Küche und mischte mir meine Spritze fertig. Zuerst einmal das gereinigte Wasser aus der Spritze in das Fläschen mit dem Medikament in Pulverform. Das ganze dann zwei bis drei Minuten stehen lassen bis sich alles aufgelöst hat und dann mit der kleineren Nadel ab in den Bauch damit. Bis zum letzten Schritt klappte alles einwandfrei. Und dann mit der Spritze nur noch wenige Zentimeter vor meinem Bauch die Erkenntnis: "Oh mein Gott, ich bin ein Weichei.." Ja meine Damen und Herren, wir halten an dieser Stelle kurz inne um Ihnen eine Pause des lachens zu ermöglichen.
Spritze Granocyte 2 - DKMS - Meine Spende
Gut, genug der Freude. Nach zig Anläufen für die ich insgesamt eine gefühlte Stunde brauchte hatte ich es doch irgendwie geschafft den gesamten Inhalt in mich reinzukriegen. Und was tut ein echter Mann wenn er verzweifelt? Genau, er ruft seine Mama an. Nach kurzen Telefonat und einigen halbherzigen Ermutigungsversuchen ihrerseits und eine Menge rumgeheule meinerseits wurde klar, ich kann mir die Spritzen nicht selber reinhauen. Die blendende Idee hatte dann meine Mutter als sie vorschlug meine Cousine die ja schließlich Krankenschwester ist könne mir das ja spritzen. Kurz angerufen und - Ja sie kann. Die Spritze am Abend ging dann dank Hilfe meiner Cousine ohne Probleme, ich musste ja auch nur dasitzen und abwarten bis alles überstanden ist. Ich hasse Spritzen. Sollten sich demnächst die ersten Nebenwirkungen bekannt machen werde ich darüber selbstverständlich hier oder auf meinem Twitter Account @LeKefi berichten.
Ansonsten lest ihr hier demnächst den Bericht über die Spende an sich, die ist ja schon bald, dazu bin ich dann wieder in Köln.



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Teil 4 - Die Spende

Nach einigen weiteren Spritzen traten die ersten Nebenwirkungen auf, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und vor allem seltsame Schmerzen in der Hüfte bei ruckartigen Bewegungen. Aber das alles war Dank Paracetamol recht gut auszuhalten.
Am 12. Juni ging es dann mit zwei sehr guten Freunden nach Köln zur Spende. Der Anfang wurde uns nicht leicht gemacht denn der Deutschen Bahn war wohl einfach mal danach unseren Zug erst 75 Minuten verspätet abfahren zu lassen. Die Zeit nutzten wir um in Hannover das Teestübchen zu besuchen und die Zeit so etwas zu beschleunigen. Als wir dann endlich im ICE nach Köln saßen kam sogleich die nächste ganz tolle Nachricht, unser Zug würde heute mal nur bis nach Dortmund fahren, wir also gezwungenermaßen in Dortmund schon raus und von dort mit einem Regionalexpress weiter nach Köln, der leider ganze 1 1/2 Stunden lang unterwegs ist. Aber irgendwan kamen wir dann auch an und wurden mit Sonnenschein in Köln begrüßt. Ins Hotel ging es vom Hauptbahnhof zu Fuß, schnell Sachen auspacken und sich etwas einrichten - der Gemütlichkeit halber. Um die Minibar nicht im nächtlichen Fressrausch zu plündern ging es dann erstmal in den lokalen REWE Supermarkt und mit vollem Einkaufswagen wieder zurück. Den angebrochenen Abend ließen wir dann auf Wunsch meiner Freunde in einer Shisha Bar ausklingen, ich bei Cola, die beiden beim obligatorischen Kölsch.
Schon gegen 6:30 hatte sich die Sache mit dem Schlaf erledigt denn die Klinik rief zur Spende. Frisch geduscht und mit vollem Bauch vom ausgiebiegen Hotelfrühstück machten wir uns auf den Weg in die nur 5 Minute entfernte Klinik. Dort angekommen wurde nicht lange gewartet, ich wurde direkt von einer Schwester in ein großes Zimmer geführt in dem außer mir noch eine Frau mittleren Alters Stammzellen entnommen wurden. Wie vorher genaustens erklärt bekam ich in den linken Arm in der Ellenbeuge eine dicke Stahlnadel hinein (kein Witz, da konnte man ohne Probleme durchgucken) mit dem energischen Hinweis diesen Arm nun auf keinen Fall mehr zu bewegen da ich mir die Nadel sonst einmal quer durch den Arm rammen würde. Der Hinweis saß und der Arm wurde ab da an nicht einen Millimeter bewegt. In den rechten Arm, ebenfalls in der Ellenbeuge schob man mir eine dieser netten kleinen Venenverweilkanülen, dies ist im Grunde nichts anderes als ein kleiner Plastikschlauch, so dass man diesen Arm theoretisch noch etwas bewegen kann. Tausend Schläuche transportierten mein Blut von da an rechts aus mir raus, durch die Maschine welche die Stammzellen von dem Rest des Blutes trennt und dann links alles Übrige wieder in mich hinein.
Spende - DKMS - Meine Spende
Damit ich nicht viel Flüssigkeit dabei verliere gibt es zusätzlich zum Blut welches zurück läuft noch etwas Natriumchlorid (Salzwasser) und etwas Natrium, welches dazu dient dass mir nicht die Finger kribbeln und sonstiges. Da lag ich nun, ich der panische Angst vor Nadeln aller Art habe. Ich der bei seinem ersten winzigem Tattoo in Ohnmacht gefallen ist. Und ich muss sagen so schlimm war es gar nicht solange ich über irgendetwas anderes nachdachte als über die Tatsache dass mein Blut gerade nicht ausschließlich durch meinen Körper floss. Die Maschine die der Trennung diente machte Geräusche ähnlich der einer Waschmaschine im Schleudergang und das durchgehend. Und nach circa 40 Minuten dann der erste erschreckende Zwischenfall, mit einem lautem "Peng" machte sich die Maschine bemerkbar, sie fing wie wild an zu piepen und schaltete sich daraufhin selbst ab. Auf mein vor mich hingemurmel "Das ist ganz normal, das muss so sein, alles ist in Ordnung.." engegnete die Schwester sehr hilfbereit nur ganz trocken und mit leicht panischen Unterton "Oh scheiße, das ist ganz und gar nicht normal". Durch diese Äußerung total beruhigt hätte ich mir ja am liebsten die Schläuche aus den Armen gerissen aus reiner Vorsicht, nicht das die kaputte Maschine mir noch Getriebeöl in die Adern pumpt. Aber das musste ich gar nicht denn schneller als ich gucken konnte klemmten zwei Schwestern alle Zu- und Abgänge ab.
Seperator - DKMS - Meine Spende
Ein Schlauch in der Maschine sei wohl geplatzt, es wäre eine ganz schöne Sauerrei das ganze Blut was da aus der Maschine rausrinnnt und sich langsam auf dem Boden sammelt. Na lecker. Ich hatte absichtlich nicht hingeschaut weil die plätschernden Geräusche ja selbsterklärend waren. Ich wartete bis die Schwestern und die Ärztin die sich nun zum ersten Mal blicken ließ die Sauerrei beseitigt hatten und dachte mir nur, dass das jetzt hoffentlich nicht alles umsonst gewesen ist.. Ein paar Minuten später erklärte man mir was wohl passiert sei: "Also da ist ein Schlauch gerissen in der Maschine, das hatte ich so auch noch nie erlebt. Aber das ist halb so wild bis auf die Sauerrei, wir stöpseln Sie einfach an eine andere Maschine an und dann geht´s auch schon weiter." Ach und dabei hätte ich wohl um die 350ml Blut verloren, halb so wild. Solange die mir nicht nochmal neue Nadeln reinstecke wollen ist meine Welt eigentlich noch in Ordnung. Weitere 15 Minuten später und ich hing an der neuen Maschine zwei Plätze weiter. Im Plasmafernseher lief auf Wunsch der anderen Patientin James Bond - Skyfall, ich hatte aber nicht wirklich Lust bzw die nötige Konzentration dem Film in irgendeiner Art und Weise folgen zu können. Schon fast zwei Stunden war ich mittlerweile hier, in diesem großen krankenhaussterilem Zimmer ohne sonderlich viel Ablenkung außer den sehr geistreichen Kommentaren meiner zwei Freunde die während der gesamten Prozedur, mit Ausnahme kurzer Zigarettenpausen, an meinem Liegestuhl verweilten. Irgendwann fing es an im linken Arm zu "blubbern" so würde ich dieses Gefühl beschreiben. Auf Nachfrage verriet mir die Schwester dass sei die Stahlnadel die da wohl etwas an meiner Vene rumkratzt. Ach so, wenn´s sonst nichts ist.. Das Gefühl war zwar nervig aber nicht sonderlich schmerzhaft und war daher zu ertragen. Und dann nach mittlerweile fast 5 Stunden die wir uns schon in der Klinik befanden fing der Horror erst so richtig an, er machte sich bemerkbar mit einem leichten brennen im rechten Arm rund um die Einstichstelle. Als Medizinlaie tippte ich darauf, die Verweilkanüle müsse wohl etwas verrutscht sein. Die Schwester überprüfte meinen Vorschlag und kam zu dem Schluss sie wisse genauso viel wie ich und wir einigten uns darauf mein Tip wäre der richtige. Etwas rumwackeln und hin und herschieben der Kanüle beseitigten sogar tatsächlich für unglaubliche 30 Sekunden das brennende Gefühl. Danach wurde es immer schlimmer bis hin zu unerträglich. Da mir ja aber durchaus bewusst ist was ich in solchen Dingen für eine wahnsinns Memme sein kann biss ich so gut es nur ging die Zähne zusammen und wartete auf das Ende der Spende. Immer mal wieder nahm ich am Rande wahr wie mal mir kurz mitteilte es wären nur noch X Minuten. Seltsam war nur das es erst 65 Minuten waren, nach 30 Minuten jedoch "nur noch" 50 Minuten etc. Als es nur noch 30 Minuten sein sollten bis ich mich durchgekämpft haben würde konnte ich gar nicht mehr, die Schmerzen gewannen die Überhand und ich wollte nur noch raus. Ich rief die Schwester und erklärte ihr meine Situation, mit wenig Verständnis brachte sie hervor es seien doch nur noch 30 Minuten. Ich sagte die Schmerzen seien unerträglich, was sie wirklich auch waren, ich war schon dabei mir die Tränen zurückzuhalten. Sie würde mal die Ärztin holen sagte sie und verschwand im Schneckentempo. Als die Ärztin nach 5 Minuten kam und mir die erste Träne aus dem Auge floss sah ich an Ihren Augen das sich nun endlich was ändern wird. Nach der kurzen Frage was denn genau wehtuen würde und der nach evenntuellen Medikamentenunverträglichkeiten bekam ich meine erste Ration Tramal, ein sehr starkes Schmerzmittel. Davon dass ich meinen einen Arm kein Stück bewegt habe sechs Stunden lang wegen der Stahlnadel hatte ich einfach einen ziemlich heftigen Krampf im Oberarm gekriegt falls ich das halbwegs richtig verstanden habe. Ich weiß eigentlich nur das es unerträglich schmerzhaft war. Aber nachdem mir die sehr liebe Ärztin Medikamente gab war alles schnell wieder weg bzw schmerzfrei. Die Spende haben wir ca. 20 Minuten zu früh abgebrochen und ich befürchtete schon das es zu wenig Stammzellen sind und ich am nächsten Tag wiederkomemn müsste. Aber es waren genug Zellen für meinen Patienten aus mir rauszuholen. Über den Patienten weiß ich übrigens leider immer noch gar nichts, da frag ich die Tage noch mal nach, eigentlich erfährt man das Herkunftsland, das Alter und noch irgendwas was mir gerade entfallen ist. Ich hoffe nur meine Spende war nicht umsonst und mein Patient übersteht durch meine Spende seine Krankheit, wo immer er auch herkommt, ich wünsche ihm Alles Gute.
Ich möchte abschließend noch anmerken das meine Erfahrung keinen abschrecken soll, der Dame neben mir ging es die ganze Zeit über blendend und ich habe mich natürlich auch mit ihr unterhalten, ihr wurde ledigdlich etwas langweilig sagte sie.
Im Übrigen würde mich mal interessieren ob ihr schon bei der DKMS registriert seid und auch warum ihr euch registriert habt bzw warum nicht, hinterlasst mir doch einfach einen Kommentar

Nachtrag: Inzwischen wurde mir von der DKMS etwas über meinen Patienten erzählt; er ist ein Mann aus Kanada im Alter zwischen 45 bis 55 und hat Dank meiner Spende das Schwerste überwunden und erfreut sich seitdem steigender Gesundheit.



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